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B O D Y A T T A C K M A G A Z I N N O 3
Im Mai 2005 besuchte die amtierende Ms. Olympia Iris Kyle Deutschland. Während ihrer Tour gab sie ihren Fans gleich mehrmals die Möglichkeit, ihr direkt Fragen zu stellen und sie beim Training zu beobachten.
Besonderer Dank geht hier an Susanne Bock, ohne deren Engagement dieser Besuch nicht möglich gewesen wäre. Im Universum Gym Hamburg gab Iris folgendes Interview, welches wir auszugsweise zitieren.
Iris, du bist nun Ms. Olympia, was sind deine nächsten Pläne? Ganz einfach, ich möchte die nächste Ms. Olympia gewinnen.
Wie trainierst du deine Waden? Das ist ein Muskel, der sehr schwierig zu trainieren ist und deine sind nun mal super. Als ich angefangen habe, trainierte ich diese gar nicht, erst vor 5 Jahren habe ich damit begonnen und zwar zu Beginn ganze 3 mal die Woche mit 25 Wiederholungen pro Satz. Ich absolviere dabei mehrere Sätze und verringere dabei das Gewicht von Satz zu Satz.
Wie lange sind deine Pausen zwischen den Sätzen? Es sind in etwa 40 Sekunden, je nachdem, wie lange mein Trainingspartner braucht.
Bist du der Meinung, dass Männer und Frauen unterschiedlich trainieren sollten? Frauen sind zuerst einmal viel engagierter als Männer (sie lächelt…). Generell müssen Frauen etwas mehr trainieren als Männer, hinzu kommt, dass es für Frauen schwieriger ist, Fettreserven wegzubekommen.
Möchtest du die Ms. Olympia genauso oder sogar öfter gewinnen wie Lenda? Ich bin 30 und damit noch sehr jung, eine noch zehnmalige Teilnahme ist da sicherlich kein Problem. Praktisch gesehen arbeite ich aber einfach von Jahr zu Jahr. Im Frauenbodybuilding wird es künftig nur noch eine Klasse geben, bei der mehr auf Symmetrie geachtet werden soll und bei der man etwas weg von der reinen Muskelmasse will, hierbei werde ich natürlich versuchen mitzukommen.
Wie groß ist die Differenz zwischen deinem Offseason und deinem Wettkampfgewicht? Es sind in etwa 12 amerikanische Pfund.
Wie lange dauert deine Wettkampfvorbereitung? Ich plane 12 Wochen ein, normalerweise braucht man etwas länger, aber da ich das ganze Jahr über auf meine Ernährung achte – auch wenn ich schon mal eine Pizza verdrücke – kann ich damit mein Ziel erreichen.
Erzähl uns etwas über die finanzielle Seite, lohnt es sich amtierende Ms. Olympia zu sein? Sagen wir es so, man muss den Sport und das was man tut lieben. Grundsätzlich ist die Situation jedoch schwierig. Ich habe die Ms. Olympia gewonnen, die hat 10 Tsd. US$ für den Klassensieg gegeben plus 10 Tsd. für den Gesamtsieg, dazu kam noch ein Sponsor, der mir 5 Tsd. spendete, alles in allem also 25 Tsd. US$. Dieser Betrag entspricht den Gesamtkosten der Vorbereitungsphase zur nächsten Ms. Olympia.
Wie sieht insgesamt betrachtet dein Training aus? Ich trainiere klassisches Volumentraining, dabei habe ich in 4 Tagen den gesamten Körper durch.
Hast du spezielle Tipps für die Hobbybodybuilderinnen, damit diese schneller ihre Ziele erreichen können? Achtet auf eure Ernährung. Du kannst 24 Stunden am Tag trainieren, ohne dass es mehr bringt, wichtig ist die Ernährung. Grundsätzlich ist jeder Körper anders aufgebaut und so sind nur grundsätzliche Tipps möglich. Ihr solltet große Mahlzeiten in der ersten Tageshälfte essen und mit der Zeit die Mahlzeiten verkleinern. Ihr solltet 6 Mahlzeiten am Tag zu euch nehmen und dabei auf die Gesamtkalorien achten.
Wann und was ist deine letzte Mahlzeit? In der Vorbereitungszeit esse ich die letzte Mahlzeit um 18 Uhr, Offseason gegen 21 Uhr.
Und was nimmst du dann zu dir? Protein und Gemüse, mein favorisiertes Eiweiß ist dabei Fisch und Hähnchen. Ich bin kein großer Fan von Proteinkonzentraten, was aber nicht bedeutet, dass ich keine trinke. Natürliches Protein ergibt meiner Meinung nach jedoch eine bessere Muskelqualität.
Wann stehst du auf und wann isst du deine erste Mahlzeit? Wenn ich keine Wettkampfvorbereitung habe, gehe ich um 6 Uhr auf nüchternen Magen ins Gym und trainiere 2 bis 3 Stunden. Dies mache ich durchgehend, auch am Sonntag.
Warum trainierst du auf nüchternen Magen? Der Grund ist, dass dieses Training wirklich direkt an mein Körperfett geht und nicht an die Kalorien, die ich sonst gerade erst zu mir genommen habe.
Hast du dann keine Kraftprobleme? Der Trick ist früh genug aufzustehen, trainiert man erst um 10 Uhr, dann hat man wirklich keine Kraft.
Hat es den gleichen Effekt, wenn ich eine oder zwei Mahlzeiten esse und 2 Stunden später zum Training gehe? Nein, es sind zwar Resultate da, aber niemals so zufrieden stellend wie beim morgendlichen Training auf nüchternen Magen. Ihr solltet es einfach mal versuchen.
Hast du sonstige Tipps? Trainiere und liebe dich selbst und der Rest wird folgen.
Du hast alles gewonnen, was man gewinnen kann. Wie hat das Ganze angefangen und wie sah deine sportliche Laufbahn vor dem Bodybuilding aus? Ich war früher sehr aktiv, spielte Volleyball, Basketball und Querfeldlauf über ein bis drei Meilen.
Du hast also Mannschaftssportarten gespielt. Wie war das für dich? Du bist ja inzwischen in keiner Teamsportart mehr. Ich brauche die Show und wenn ein Team verliert, haben alle darin verloren. Wenn ich alleine auf der Bühne versage, dann weiß ich, bei wem ich den Fehler zu suchen habe.
Wann hast du zum Bodybuilding gewechselt? Mit 20 Jahren, das liegt also 10 Jahre zurück.
Wie war damals dein Körperbau? Naja, oben schmal und dünn, unten sehr stabil und kräftig.
Hattest du jemals ein Vorbild? Ja, Lenda Murray! Als ich mit dem Wettkampfbodybuilding begann, hatte Lenda schon einige Male die Ms. Olympia gewonnen.
Wolltest du Bodybuilding jemals professionell betreiben? Nein niemals. Ich habe Bodybuilding etwa 8 Monate für mich betrieben, als mich ein Veranstalter fragte, ob ich denn an einem Wettkampf teilnehmen wollte – ich nahm teil und gewann auf Anhieb. Nach nur drei Jahren erhielt ich meine Profilizenz. Mein erster Profi-Wettkampf endete mit dem zweiten Platz, die erste Ms. Olympia beendete ich mit dem vierten Platz. Danach wurde ich zur Arnold Classic eingeladen und erlitt meinen bisher größten Tiefschlag, als ich nur 15. wurde. Dies war die nötige Motivation, um ab da besser anzutreten. Ab diesem Moment habe ich nie wieder eine schlechtere Platzierung als den zweiten Platz gemacht.
Du bist nun 30 Jahre, was möchtest du nach dem Ende deiner Karriere machen? Mein Wunsch ist es, ein sehr kleines Studio aufzumachen mit persönlichem Training und Beratung.
Denkst du daran, Kinder zu haben? Natürlich, ich hatte selbst viele Geschwister und möchte gerne sechs Kinder haben. Ich glaube Familie ist eines der wichtigsten Dinge überhaupt.
Was denkst du über die neue 20% Regelung des IFBB? Ich habe da eine spezielle Haltung und kümmere mich nicht darum, was die Kampfrichter sagen. Sobald ich mir selbst gefalle, trotz meiner Masse gut ausgewogen und symmetrisch bin, hoffe ich, dass ich mich gut platziere.
Siehst du einen Unterschied bei den Fans in Deutschland und Amerika? Sie schauen zwar, haben aber etwas Berührungsängste. Doch die Deutschen sind sehr freundliche Menschen, die ich sehr mag.
Eine ganz andere Frage, wo kaufst du eigentlich deine Kleidung? Das ist sehr schwierig. Damit Hosen passen, muss es am besten Stretchmaterial sein.
Vielen Dank für das Interview. |